Melbourne bis Mt Taylor Lockdown

6201 Phillip IslandLange voraus buchten wir auf dem Big 4 Holiday Park in Melbourne ein paar Tage, so dass wir in Ruhe unseren Prado in den Service geben, ein bisschen Kultur geniessen, mit einigen Bekannten gemütlich zusammen zu sitzen und Geschichten austauschen konnten.  Als Erstes trafen wir James Younis den wir das letzte Mal in den Tuamotus gesehen hatten. Frühstückten mit Bradley  und am Sonntag machten wir einen Ausflug mit seinen Eltern Debby und Martin an die Harbour Ausstellung.
Natürlich waren wir auch gespannt auf Philipp Island.  An der Geschichte der Insel erinnerte uns das Abschlachten der Seehunde im frühen 18. Jahrhundert.  Auf Seal Rock Island lebten damals ca. 20‘000 Seehunde. Leider waren die Pelze dermassen gefragt, dass sie bis auf  100 Exemplare abgeschlachtet wurden. Heute sind sie,  wie so viele Tiere geschützt und die Population hat sich in der Zwischenzeit erholt. Unsere Gemüter erhellten sich sofort, als wir die ersten Pinguine (die kleinsten der Welt) auf Philipp Island sichteten. In der Zwischenzeit wurden die ersten Auswirkungen der Pandemie bereits sichtbar. Wir profitierten vom Fernbleiben des chinesischen Massentourismus. Am Abend, während der Dämmerung, watschelten die süssen kleinen Pinguine, die den ganzen Tag draussen im Meer auf Nahrungssuche waren müde aus der Dünung heraus. Sobald eine kleine Gruppe beisammen war, getrauten sie sich gemeinsam  den Strand zu überqueren um in ihre sicheren Behausungen zu den Jungen heim zu kehren.

6202 Wilsons NPEinmal mehr nahte ein verlängertes Wochenende. Das heisst hier in Australien gehen alle die irgendwie können campen. Outdoor life ist angesagt. Wir fanden einen schönen freien gratis Campingplatz am Franklin River, die offiziellen waren alle seit Wochen ausgebucht. Von dort aus genossen wir diverse Ausflüge in den Wilsons Promontory NP.

 

6203 Tarra Bulga NPWeiter ging die Reise in den Tarra NP, wo wir einen märchenhaft anmutenden kalten Regenwald durchwanderten.  

 

6205 Mt TaylorDann wurden wir aufs herzlichste von unseren Segelfreunden Belinda und Ken in Mt. Taylor  in Empfang genommen. Damals wussten wir noch nicht, dass wir hier noch Wochen verbringen würden. Was wir aber bereits wussten, dass wenn die Pandemie fortschreiten würde, wir hier aufs herzlichste Willkommen wären. Good to know. Wir staunten über das riesige Ausmass der vergangenen Brände hier in Victoria. Auch bei Belly und Ken brannten die Wälder bis auf 4km an ihr Anwesen heran. Ueber Tage waren sie in Alarmbereitschaft, sie hatten Glück.
Bei unserem ersten Besuch, war der grosse geheizte öffentliche Pool in Bairnsdale noch offen.  Iris genoss es früh morgens mit Belinda runter zu fahren, um ein paar hundert Meter im warmen  Wasser zu schwimmen und mit Anderen  im Whirlpool noch  die lokalen Neuigkeiten auszutauschen.
6206 Depot BeachLangsam drängte uns die Zeit. Die Nachrichten betreffend Pandemie wurden täglich extremer, wir befürchteten nicht mehr nach Queensland rein zu kommen. Grundsätzlich waren wir erleichtert, dass unsere Liebsten gesund waren und noch zur Arbeit durften.

Unterwegs genossen wir beim vorbei brausen das Killerwale Museum in Eden. Dies war wohl für eine längere Zeit eine unserer letzten „normalen“ Touristen Aktivitäten.

An der Grenze von Queensland  schlugen wir in einem wunderschönen Camp mit Wasserloch und farbigen Papageien bei moderaten 28C das Lager auf. Dort verbrachten wir 2 Tage,  da der Plan nach wie vor war, nach Brisbane zu fahren um dort unseren Trailer warten zu lassen. Da hörten wir in den täglichen News, dass a) die Staaten innerhalb Australien die Grenzen bereits am Schliessen waren, plus ev. ein sogenannter Travelban (Reiseverbot) im ganzen Land verhängt würde. Nun drängte sich die Entscheidung auf, entweder schnell hoch nach Brisbane, mit dem Risiko dort stecken zu bleiben oder rassig wieder runter in den Süden, sprich gen Winter fahren, um in Victoria auf der Farm Unterschlupf zu finden. Die Entscheidung war nicht einfach, waren wir doch erst 1500km rauf gen Norden gefahren, nun wieder 1500km gen Süden runter, plus das angenehm warme Klima gegen ein eher kaltes auszutauschen. Die Vernunft siegte, für dies hat man sie ja schliesslich auch! Da es in Brisbane viel zu viele Menschen hatte und hier unten in Victoria die Farm auf 1km x  2km also 200ha lag. „Ab vom Schuss“ sprich ländlich und grosszügiger weise das Angebot von Bely und Ken das Anwesen mit uns zu teilen, egal wie lange der Lockdown auch dauern möge.

Hier in Australien  ist es im europäischen Sommer Winter und im europäischen Winter Sommer. Im nördlichen Teil ist es heiss und trocken, hier unten in Victoria beginnt der Herbst resp. der Winter steht vor der Türe. Wenn es dann hier unten wieder heiss wird, steigt beginnt die Regenzeit im Norden mit Wirbelstürmen und Überschwemmungen.

Australien ist ein sehr abwechslungsreiches und extremes Land. Seien es die Wüsten, Küsten, Wasserfälle, Seen, Wälder, Pflanzen, Blumen und Tiere. Das meiste erleben wir hier in XXL Form, gigantisch, gross, schön, z. Teil gefährlich, aber definitiv einzigartig sowie beeindruckend.

6207 OmeoDie Reise in den Süden unterbrachen wir ca. 120km nördlich von Belinda und Ken in einem kleinen 750m ü.M. gelegenen „Bergdorf" genannt Omeo. Der Grund des Zwischenhaltes war die Selbstisolation der aus Uebersee heimgekehrten 30 jährigen Tochter Jean von Bely und Ken. Diese 2 Wochen verbrachte sie auf der Farm bevor sie Ihre Arbeit in Alice Spring als Aerztin wieder aufnehmen konnte.  Dazu kam, dass wir, wenn allenfalls ein Travelban verhängt würde, nur noch ein paar Kilometer von unserem Farm-Home entfernt wären.
Auch in Omeo hatten wir wieder extremes Glück. Wir staunten, alles lief so reibungslos ab, als ob das Ganze für uns organisiert gewesen wäre. Wir waren die letzten Reisenden die auf dem Campground aufgenommen wurden. Sogar ein kleines Cabinhäuschen mit einer Heizung, kl. Küche, Schlafzimmer und vor allem einer eigenen Dusche mit WC stand frisch geputzt für uns bereit.  Dies war in der Zwischenzeit von uns ein grosses Bedürfnis, wir wollten nicht mehr mit Anderen Dusche und WC teilen, plus wurde ein geheizter Raum zum Sein notwendig. Die letzten Tage campten wir wild, so dass wir jeden Kontakt mit Fremden vermeiden konnten.
Im Omeo Dorf wurden wir herzlich aufgenommen. Der Campground lag in einem lauschigen Tal mit  alten Bäumen und einem plätschernden Bach. In der Umgebung gab es zahlreiche weite Hochtäler, wie auch still gelegte Goldminen,  die wir auf unseren täglichen 1-2h Spaziergängen gerne erforschten. Hier verbrachten wir gemütliche 2 Wochen. Es war auch sehr gemütlich wieder einmal allein zusammen in einem Häuschen zu wohnen.

6210 Mt TaylorDann änderten die Australier einmal mehr über Nacht die Bestimmungen. D.h. für uns war es innerhalb von einigen Stunden verboten mit unserem Campertrailer rumzureisen. Polizeikontrollen wurden gesetzt, da befürchtet wurde, die Melbourner (in der Zwischenzeit, die eher gemiedenen Städter und nicht mehr willkommenen Gästen in ländlichen Gegenden) kämen über Ostern rauf in die "Berge". Wir hatten ein paar Stunde Zeit zum Entscheiden,  ob wir nun runter nach Mt. Taylor fahren oder noch 2 bis vielleicht mehreren Wochen in Omeo bleiben wollten. Mit dem Wissen dass der Lockdown Monate dauern könnte, war das Risiko auf 750 m stecken zu bleiben zu gross. Zumal Omeo auch ab und zu im Winter Schnee erhält.  So packten wir zack zack und blochten gegen Abend über einsame Waldstrassen auf den sogenannten  Dirtroads runter zu unserem neuen Zuhause, wo wir immer noch leben. Hier hat es sehr viel Platz, genügend innen wie aussen Raum was das Zusammenleben als Gemeinschaft sehr vereinfacht.  Nichts desto trotz, ist es extrem grosszügig von den Beiden uns so bedingungslos und grosszügig  bis auf weiteres aufzunehmen.

6209 Mt TaylorUnser Leben ist eigentlich nicht gross anders als vorher. Der einzige Unterschied,  wir können nicht mehr mit dem Trailer rum Blochen. Wir geniessen es wieder einmal sesshaft zu sein, einen Tisch zum Schreiben, genügend Farmer- und Gartenarbeit zum Vertörlen,  täglich in irgendeiner Form Bewegung, sei es auf dem 1km x 2km grossen Grundstück oder mit dem Fahrrad unten in der Ebene, entlang von Flüssen, Naturschutzgebieten und Meerbuchten. Iris hat genügend Zeit für Yoga und Meditation und Martin bringt sein vielseitiges Wissen auf der Farm ein.
Manchmal gilt es die Kälber zu impfen, Zäune zu flicken, Wasserleitungen zu legen, einen Solarpanel installieren oder im Garten zu jäten. Wenn es kalt und regnerisch ist draussen (eher selten) dann spielen wir Karten oder jedes geht seinem eigenen Hobby nach.

6208 Mt TaylorLangsam lockern die Bestimmungen, aber eben nur langsam. Viel langsamer als in der Schweiz. Der ursprüngliche Plan war und ist  bis jetzt,  im Sommer den Trailer mit Auto hier zu verkaufen und in der Schweiz ein Zuhause zu finden. Dann aber im Winter  je nach Umständen weiter zu reisen. Ev. mit einem kleinen Bus, 4x4….mal schauen. Der alte Plan war ab November für 4 Monate nach Madagaskar zu fliegen, ob dies aber noch Möglich ist steht in den Sternen.  Wir leben von Tag zu Tag, natürlich in der Hoffnung, dass sich diese verrückte Zeit wieder normalisiert und die Menschen auf der ganzen Erde wieder aufatmen können.