Kangaroo Island

6050 Cape JervisDass wir zum Einfädeln bei der Fähre einer der ersten Trailer waren spricht schon mal für sich. Für die 45 Min Ueberfahrt werden die Passagiere gebeten separat auf die Fähre zu gehen, während dem die Person die fährt sorgfältig auf die Fähre reingelotst wird. Schon lange im Voraus  hatten wir für eine Woche auf dem Naturpark ähnlichen Campground einen Platz gebucht, wohl wissend dass während den langen Sommerferien die beliebten Orte ausgebucht sind. Bei Ankunft verlängerten wir auf 10 Tage, was sich im Nachhinein als goldrichtig entpuppte. Bei der Anfahrt auf den CG empfing uns ein, von den Inselbewohnern lang ersehnter, Regen. Dass dieses Gewitter mit einem Blitzeinschlag im Norden der Insel das Feuer entfachen würde und schlussendlich einen riesig langen Rattenschwanz von dramatischen Bränden nach sich ziehen würde, ahnte damals niemand. Nun will ich aber der Geschichte nicht vorgreifen.


6051 Remarkable RocksDie Insel nahm uns mit all ihrer Einzigartigkeit in Empfang. Lieblich blau türkis schillernde Buchten, Vogelkonzerte, Steinformationen, wie von einem anderen Stern, herzig rumtollende Koala Bären, die ob Tag oder Nacht nie zu scheu waren um entweder zu schlafen oder putzig durch die Eukalyptusbäume zu klettern. Eigentlich waren wir Menschen dort in der Minderheit. Wenn ein Ameisenigel seine langen Stacheln quer durch den Platz schaukelte, interessierte es ihn relativ wenig ob wir alle freudig zuschauten und ihn fotografierten. Stoisch steckte er seine lange Pinoccio Nase in jedes Loch und schmauste gemütlich vor sich hin. Desgleichen die im Schatten eines Baumes ruhenden Kängurus. Sie hoben zwar kurz den Kopf hoch, damit hatte es sich jedoch schon, aus Erfahrung wussten alle Tiere, dass ihnen in diesem Naturpark nichts passieren konnte. Abends hüpften sie ob mit oder ohne Jungem schon aktiver durch die Gegend. Schliesslich musste auch mal gefuttert werden.


6053 Kuala

In der Nacht wurde es auf dem Gelände sehr aktiv. Hinter unserem Platz lag ein kleiner Buschwald. Tagsüber konnte es schon mal passieren, dass plötzlich ein ganzer Baum ins Wäldchen krachte. In der Nacht röhrten die Koalas, als ob sie mindestens 3 Mal so gross wären. Es galt auch gut aufzupassen, dass beim Bestaunen der Milkyway einem nicht plötzlich ein kleines Wallaby zwischen die Beine geriet. Sicher waren noch andere Tiere unterwegs, bei einigen war es uns jedoch recht, dass wir uns nicht begegneten. Seit Iris einen Spinnenbiss hatte und wochenlang mit starkem Juckreiz und geschwollenem Fuss rumlaufen musste, passen wir 4 Mal mehr auf.

 


6055 Ameisenigel

Wir erkundeten einen Teil des Nordens, der Andere war bereits wegen Bränden gesperrt, im Westen ein paar wunderschöne Trails, sowie die ganze Südküste nach Osten. Wir fuhren mitten und quer durch, holperten über Tracks und genossen die Weihnachtsferien in vollen Zügen. Ein paar wunderbare Begegnungen, wie die mit Karen und Tom aus Adelaide, Debby und Martin mit ihren beiden Söhnen aus Melbourne, als auch die Familie Pfister aus der Schweiz bereicherten ganz klar diesen Aufenthalt. Manchmal kamen wir so spät ins Bett fast wie in jungen Jahren. Es waren einzigartig schöne Ferien von unseren Reiseferien.


6056 Fires Near Me

 

Bereits als wir die Insel am 30.12. verliessen, beobachteten wir das immer ein wenig aufflammende nördlich brennende Gebiet. Von Karen und Tom die noch ein paar Tage an der Westküste verbringen wollten, hörten wir, dass sie nach 2 Tagen evakuiert wurden. Dann begann ein Drama, das sogar für uns die eben erst dort gewesen waren, kaum vorstellbar war. Heute wenn wir den Bericht schreiben, sind von ca. 60 000 Koalas bereits die Hälfte umgekommen, die Fähre setzt Tag und Nacht über um zu retten, was zu retten ist. Das zum Teil angesengte Vieh wird mit Schüssen not geschlachtet und die Menschen kämpfen verzweifelt um ihre Existenz. Was übrig bleibt ist eine grosse schwarze Einöde.

 

 


6058 McKarthys OrchardIn den ersten Tagen im Mc Larren Valle auf Mount Compass,  waren die Berichte noch lange nicht so dramatisch. Wir besuchten einen jungen Winzer, den wir an der Westküste in Australien kennen gelernt hatten, erkundeten die grüne lieblich hügelige Gegend, genossen das Wein degustieren und in der Zwischenzeit auch das langsamer Reisen. Haben wir doch für die nächsten 800 km fast einen Monat Zeit. Dann werden wir am Australian Day auf Tasmanien übersetzen und die nächsten paar Wochen dort herum reisen. Vorerst jedoch schleichen wir jedoch  langsam der Küste entlang Richtung Melbourne. Täglich beobachten wir mehrmals die in der Zwischenzeit auch in Victoria angekommenen Feuerdesaster und sind tief betroffen ab all dem unvorstellbaren Elend das sich da in naher und weiter Ferne abspielt. Die Temperaturen spielen verrückt. Mal ist es 43°C dann am nächsten Tag noch 19°C in der Nacht variiert es zwischen 11°C-35°C. Ein psychischer, wie physischer Schüttelbecher. Wohl verstanden nicht wirklich für uns. Wir können ja nachschlafen, ausweichen, ruhen oder uns einpacken, schlimm ist es für all die, die draussen arbeiten und leben.

Nun noch eine kleine Erheiterung, wohl bemerkt vorallem,  wenn es einem nicht betrifft, harr harr.
Teresa und Brett gaben uns in Brisbane ein paar ebooks eines australischen Schriftstellers „Peter Watt“ mit. Eine Trilogie die basierend auf der reellen Vergangenheit, die dann fantasievoll angereicherte Geschichte Australiens schildert mit den ersten Siedler, ein sogenannter historischer Roman. Leider waren nur die ersten beiden Bücher vorhanden.  Kein Problem, laden wir den Dritten doch einfach aufs Ebook runter und bezahlen die 9.5$. Da wir den Tolino und nicht den Kindle haben, ging dies leider nicht einfach so auf die Schnelle. Tolino ins Netz einloggen, das Buch war in Deutsch erhältlich jedoch nicht auf Englisch. Wir wollten es aber in Englisch weiterlesen. Gut. Dann im Browser Google rein, auf Good Reads ist es erhältlich. Laptop raus, Goodreads registrieren, Name, Adresse, Geburtsdatum, Kreditkarte, Nasenlochgrösse etc… das Passwort wird geliefert, einloggen, ups, wir werden an Amazone weiter gereicht. OK kein Problem. Das Ganze nochmals von Vorne, Namen, Adresse, Geburtsdatum, Kreditkarten Nummer, Ablaufdatum, kleine Nummer, Ohrenlänge etc…bevor wieder ein Passwort kommt, erhalte ich eine Nachricht, dass wegen internationalen Bestimmungen zwischen Australien und der Schweiz, ich leider dieses Buch nicht kaufen und runterladen dürfe, da ich mich ja in Australien befinde. Big System is watching you. OK. Liebe Teresa, hast du zufälligerweise in der Zwischenzeit den dritten Band gekauft und kannst ihn mir schicken, es eilt da ich unbedingt dringend wissen möchte wie die Geschichte weitergeht. Sie hatte mir ja schliesslich dieses Ei ins Nest gelegt. Liebe Iris, leider nein, wir haben nur die ersten beiden Bände. Dies ist aber kein Problem, du kannst überall in Australien gratis Bücher beziehen und runterladen, gerade in deiner Nähe (hat sie wohl online schnell nachgeschaut) gibt es den dritten Band. Hmmm. OK. Ich gehe kurz zu unseren neuen australischen Bekannten auf dem Nachbarplatz und frage die beiden Studenten, wie ich zu einer Bibliothek komme. Keine Ahnung, die beiden hatten noch nie Bücher auf diese Weise bezogen. Die Eltern der Beiden schon, wussten aber auch nicht wie sie das Buch bei sich runterladen könnten um es mir zu geben, ist ja nur leihweise auf dem Ebook. Kurzes email an Gavin in Brisbane, leider konnte auch er nicht aushelfen, da er die Bücher zwar in der Bibliothek reserviert hatte, leider noch darauf warten muss. Ist ja eigentlich ein super System, in ganz Australien hast du gratis Zugriff auf Books, ebooks wie auch Hörbücher. Aber zuerst musst noch wissen wie??
OK. Geduldig bis kreischend ging ich in die nächste Buchhandlung. Versuchte die Geschichte so kurz als möglich zu schildern, so dass ich in dieser Buchhändlerin genau soviel Mitgefühl wecken konnte, dass SIE MIR ENDLICH HILFT dieses Buch runterzuladen. Ich war in der Zwischenzeit soweit dass ich es in Papierform gekauft hätte. Leider haben wir gerade dieses Buch zurzeit nicht an Lager. Als sie meinen Gesichtsausdruck sieht, tröstet sie mich, dass in Murray Bridge eine grosse Bibliothek sei mit hilfsbereitem Personal. Am Sonntag haben sie von 13-16 offen, 10 Minuten vom Fluss entfernt. Das Buch respektive das digitale Geschreibsel rückte in die Nähe.
Die erste Frau am Counter meinte ohne dass ich eine gültige Wohnadresse in Südaustralien hätte, könne sie mir trotzdem dass ich eine in Queensland habe, leider nicht weiter helfen. Die Hälfte von meinem Körper rutschte langsam über den Thesen, ich fixierte ihre Augen und meinte ruhig aber triefend von DRINGLICHKEIT, dass ich doch einfach NUR dieses Buch nach Wochen verzweifelten Versuchen lesen möchte und ich  doch eine arme Leseratte sei. Unglaublich lieb, offerierte sie mir die Kiste, die mit Gratisbüchern  vollgestopft ist und extra für Reisende zum Mitnehmen hingestellt wird. Da sich ja das Personal, meist auch Leseratten  gut vorstellen kann, wie schlimm es ohne Buch wäre. Super, genial, ich möchte aber das dritte Buch der Trilogie von Peter Watt. Ich fixierte ihre Augen herzlich Dankend von neuem. Sagte schlicht und einfach bitte geben sie mir den Zugang zur Bibliothek, egal wie, ich möchte einfach nur das dritte Buch von der Trilogie von Peter Watt ENDLICH LESEN. Sie verstand.
Ich erhielt eine Karte, logte ein, ging nicht. Logte ein ging immer noch nicht. In der Zwischenzeit war es 4pm, die Bibliothek schliesst nun leider, sie können aber morgen gerne vorbeikommen, kein Problem. Als ich „Zuhause“ war versuchte ich das einloggen noch ein paar Mal, endlich funktionierte es, die hiesige Bibliothek hatte es nicht, aber die in Adelaide……..ICH KONNTE ES GESTERN ENDLICH Runterladen. Ob ich gestern Abend gelesen habe, logisch, in der Nacht und vor dem Aufstehen auch noch. Dabei wollte ich doch NUR das dritte Buch lesen. Fazit. Leihe dir nie eine unvollständige Trilogie im Ausland aus, ohne dass du 100% sicher weisst, wo du dieses fehlende Buch erhalten wirst.
6057 Murray Bridge


Die paar Tage in Murray Bridge waren bald zu Ende und wir reisten über Robe wo wir das Meer und die 4x4 Tracks abblochten weiter nach Mount Gambier. Ein riesiges Gebiet aus Limestone, eingesunkenen Krater, vielen Höhlen, grüne Vegetation und idyllische Seen in erloschenen Vulkanen.