Gold Coast bis Alice Springs

28. Mai 2019 Let’s hit the road to Down Under

Endlich war alles sortiert. Seit einigen Monaten, d.h. bereits im Pazifik verschenkten wir dies und das in der Annahme, dass wir Kalea verkaufen würden. Einen Teil verschifften wir zurück in die Schweiz und den letzten 3. Teil richteten wir gemütlich in unserem neuen Zuhause ein, das wir nach wie vor versuchen Kalea, respektive Kalea 2 zu nennen. Natürlich liessen uns die neuen Platzverhältnisse, von einer Wohnung, auf ein Schiff und nun schlussendlich in einen Campertrailer erfinderisch werden.
In der Nähe von Brisbane stellten wir, um mal alles noch so richtig in Garantiereichweite durchzutesten, den Modcon C3 Hybrid  auf. Dafür eignete sich, der in der Nähe von Brisbane gelegene Jacobs Well Caravan Park bestens. Leider erkrankte Iris am nächsten Tag an Gürtelrose. Diese brach zum Glück nicht allzu schlimm aus. Glücklicherweise gab es auf der anderen Strassenseite einen Doktor. Antiviral Tabletten wie auch Antihistamin mussten sofort geschluckt werden um das Ausbreiten im Gesicht zu stoppen. Dank Nadine und Gavin gab es genügend Aloe Vera Pflanzennachschub für die Haut. Trotz den durch die Kälte wie auch die Krankheit ein wenig erschwerten Umständen, genossen wir alle das Abschiedsessen mit Jeanet und David von Geniet Lew sowie Nadine und Gavin.
Im Dorf bunkerten wir vielen frischen Fisch, der lokale Markt versorgte uns mit frischem Gemüse und Früchten. Martin kaufte einen Heissluftstrahler und einen Wasserkocher. Beides hilft natürlich nur, wenn wir am Strom angeschlossen sind. Den Strom werden wir jedoch die nächsten Winterwochen quer durch Australien Richtung Norden täglich versuchen anzupeilen. Sind doch die Temperaturen in der Nacht bis unter 0°C, sowie tagsüber zwischen 10-20°C. Dies ist nach den angenehmen südpazifischen Temperaturen eher ein brutales Umgewöhnen.
Endlich kommt am 5. Juni 2019 der Tag X. Wie schon auf dem Schiff sind wir ein gutes Team. Dank Martins unermüdlichem Optimieren, Durchschauen, Erproben und sich in die neue 4x4 Outdoor Materie Ein zu denken, verläuft der technische Übergang wie am Schnürchen. Iris schaut mit Argusaugen, dass es am planbaren physischen und psychischen Wohlergehen an nichts mangelt.
Über die Great Dividing Range Toowoomba fuhren wir nach Gondiwini (Ruheplatz der Vögel)
Gemeinsam mit Australiern schauten wir auf dem Gondiwindi Holiday Park Football QLD gegen NSW, QLD gewinnt. Der Pool ist 36°C, eine schöne Feuerstelle, alles ist praktisch und sauber.  
Über Moree  geht’s weiter nach Lightning Ridge dort besichtigen wir am nächsten Tag eine Opal Mine. Iris hüpfte natürlich liebend gerne gegen Abend auf dem Heimweg  in den 40°C warmen Public Pool.
Über Walgett (langes Wasserloch) fuhren wir weiter nach Bourke. Hier waren früher grosse afghanische und pakistanische Sippen angesiedelt um die Kamelherden, die als Transportmittel dienten, zu betreuen. Gemäss Einheimischen gibt’s noch heute in den grossen Wüsten im Landesinneren riesige, wild lebende, gesunde Kamelherden, die auch eingefangen und wieder ins Ausland verkauft werden. So schliesst sich zumindest der Kamelkauf und Verkaufskreis. Langsam pendelt sich das Bigele und Büschele ein. Für diejenigen die Bärndütsch nicht verstehen, heisst dies stapeln und ordnen.
Von Bourke über Cobar fuhren wir weiter nach Wilcania. Unterwegs sahen wir einen Igel, sowie leider des Öfteren einen Känguru Kadaver oder ein abgenagtes Skelett. Die Weite beginnt. Rote Erde mit noch relativ grünen Abschnitten.
In Wilcania bezahlten wir nur 25$ für den schlichter Campground. Immerhin hatte es Strom, was in der Zwischenzeit notwendig wurde. Der Nachbar machte abends ein schönes Feuer, stehend und palavernd schauten wir den farbigen Papageien zu  und  wie der Tag langsam aber stetig in die Nacht überging.
Bevor wir losfuhren füllten wir unseren Dieseltank voll. Dies ist eine der verschiedenen Vorsichtsmassnahmen, die sich in den Outbacks bewähren. Dann ging es dem Darling River entlang weiter Richtung Mungo National Park.  Trotzdem es der erste Campground ohne Strom war, hatte sich die eisige Kälte in der Nacht in Kauf zu nehmen mehr als gelohnt. Zumal es in dem nahe gelegenen Infocenter heisse Duschen gab. Am nächsten Morgen waren die Sonnenstrahlen doppelt so warm, rundum grasten friedlich Graukopfkängurus.

Die Willandra lakes region world heritage area mit dem Wissen um die 50 000 Jahre alten Funde der  Mungo Lady und des Mungo Man zu besuchen,  waren echt beeindruckend. Nach Afrika sind dies die ältesten gefundenen menschlichen Überreste. Wir durchquerten auf Sandpisten eine eindrückliche weite ausgetrocknete Seenlandschlaft. Ein strahlend tiefblauer Himmel überdachte diese eindrückliche fast magische Gegend.
Am 11.6. um 15 Uhr mussten wir leider gegen  Mildura weiter fahren,  am nächsten Tag waren starke Regenfälle gemeldet. Dann ist es bei Gesetz verboten die Sandpistenstrasse gegen Süden zu befahren, respektive sie wird sogar gesperrt. Auf dem All Seasons Mildura Holiday Park kochten wir kurz feinen Meerfisch und dann sofort ab ins Körbchen, Games of Thrones schauen. Ein ideales Winterabendprogramm. Da für den nächsten Tag Regen angesagt war, verstauten wir  Alles bereits im Voraus.
Dann aufwachen, anziehen, Stühle und Tischchen zusammenklappen, Treppe rein, Beine des Trailers hoch,  Duschkabine reingeklappt, Auto an Anhänger anschliessen und weg waren wir. Das Ganze läuft wie geschmiert.  Wir könnten bereits als eingefleischtes Camperpaar durchgehen. Anschliessend leisteten wir uns den Luxus auswärts in einem geheizten und trockenen Café zu frühstücken. Dann wie immer tanken und hopp auf die Highway und auf die Tracks.
Unterwegs nach Broken Hill überquerte ein Fuchs die Strasse. Eigenartig dies bei hellstem Tageslicht! In Broken Hill besuchten wir die Royal Flying Doctors Base und staunten nicht schlecht wie gut dieses nur 48% vom Staat finanzierte, landesweite Unternehmen funktioniert. Sehr professionell. Von Broken Hill gings weiter über Silverton und dem Mundi Mundi Loockout, mit Blick auf die Weite der  Strzelecki Desert nach Peterborough. Dort ergab sich im Verlauf der australischen Geschichte, dass alle 3 versch. Eisenbahn Geleisbreiten zusammen kamen. Ein gemütlicher Spaziergang durch den Park und das doch schon recht provinzielle Dörfchen hinterlassen einen recht dünnbesiedelten Eindruck. Der Camping Platz Besitzer legte uns ans Herz, unbedingt beide 100lt Wassertanks zu füllen. Ab jetzt gäbe es nur noch entweder salzhaltiges oder dann abgestandenes Regenwasser.
In Hawker war der erste so richtige Outback Campground. Die 4x4 Variationen der Fahrzeuge werden immer abenteuerlicher. Zum Glück hatten wir am 16. Juni Internetverbindung, so konnten wir Lionel Zweistimmig zu seinem 30. Geburtstag singen.
Am nächsten Tag fuhren wir durch die Flinders Ranges nach Blinman. Zur Feier des Tages, diesmal gab es den Geburtstag von Iris zu feiern, kehrten wir im 150 Jahre alten Hotel Blinman ein. Dort gab es genau ein Menü und zwar Roasted Pork, Kartoffelstock und frisches Gemüse. Herrlich und dies erst noch vor einem brennenden Feuer. Heather und Dean leisteten uns zufällig Gesellschaft. Dies ist der Vorteil, wenn man an einen grossen Tisch sitzt, quasi Stammtisch Gewohnheiten.
Von Blinman ging es weiter nach Morree. Früh am nächsten Morgen los, die Gegenden werden immer einsamer und abgelegener. Zum Glück, so hatten wir genügend Zeit unsern ersten Plattfuss zu wechseln. Der Pneu war leider nicht mehr flickbar. Er war von einer scharfen Steinkante durchgeschnitten.
Am 19.6. kamen wir nach einer langen Dirtroad Fahrt  im Williams Creek Camp an. Eine richtige Outback Wüstenatmosphäre mit eindrücklichen Gestalten. Zum Diesel tanken mussten wir Schlange stehen und anstatt 1.6$ kostete der Liter 1.9$. Niemand motzte, jeder war froh, dass es überhaupt Diesel gab. Auch konnten wir hier einen neuen Pneu kaufen, was natürlich, mit dem langen Track in Aussicht, eine Erleichterung war.  Von hier aus  geht es definitiv ins Wüstenland und auf den Oodnadatta Track gegen Norden. Zum Glück hatten wir genügend gutes Wasser gebunkert, bis Alice  Spring gibt’s keines mehr.
Ja, und dann ist es endlich so weit. Wir fliegen jipiiiii über die Wüste und den Lake Eyre. Dies ist eigentlich eine ausgetrocknete Wüstengegend, die nur alle 10-15 Jahre von Norden her, nach einem starken Wirbelsturmregen aufgefüllt wird. Interessanterweise kommen zu diesem Zeitpunkt tausende von Pelikanen von der Küste hierher zum Brüten. Bis jetzt wurde nicht herausgefunden, wie sie dies wissen können. Diese Pelikan Gattung brütet nur dann und nur dort. Auch beginnt die Wüste nach jahrelangem staubigen Nichts, plötzlich mit Pflanzen grün zu werden und kleine Fische tummeln sich im doch eher seichten Wasser. In Marree gibt es sogar einen Segelclub, ob wir wohl doch wieder ein Schiff kaufen wollen?
Eigentlich war der Gedanke so schnell mobile zu werden, ausgelöst worden durch das Wissen über Lake Eyre. Wir wollten diese einmalige Gelegenheit eine so eindrückliche Gegend zu erleben am Schopf packen. Noch schöner war, dass wir um den Geburtstag von Iris so richtig zu feiern, eine Stunde über die Wüste  und eine Stunde über den Lake Eyre North fliegen konnten. Es war wunder, wunderschön.
Am nächsten Tag fuhren wir gut ausgerüstet früh morgens auf dem Oodnadatta Track Richtung Oodnadatta. Dieser ist eigentlich die alte Handelsroute gegen Norden der indigenen Stämme. Später mit den Weissen kamen dann auch die Kamele als Transporttiere, bis sie von der Eisenbahn abgelöst wurden.
 Am 21.6. Dalhousie Springs erwartete uns eine wunderbare Überraschung. Im nahe gelegenen Teich war das saubere Wasser 37 C, d.h. nach der doch sehr staubigen Fahrt war es mehr als eine Wohltat einfach im heissen See rumzuschwimmen. Rundum auf den Bäumen sassen zahlreiche weisse Kakadu. Diesmal kam sogar Martin mit zum Schwimmen. Es war ein paradiesisches Gefühl.
Einmal mehr wurden wir auf unseren Hybriden-Campertrailer angesprochen. Bisschen wie früher mit unserer Outremer 49. Wir scheinen immer ein wenig den Trend zu schnappen. In der Zwischenzeit haben wir eine Liste der Kaufinteressenten  erstellt.  Am Abend gab es frische selbstgemachte Pizza und wohlig kuschelten wir uns ins warme Bett. Draussen fiel die Temperatur stetig bis auf 0 Grad. Wir standen natürlich erst auf, als die ersten Sonnenstrahlen über die Steppe blinzeln. Wie auf dem Schiff, schlafen wir auch jetzt meist zwischen 11-12 Stunden. Unterwegs sehen wir  Dattelpalmen von den Kamelkaravanen.  Von Dalhousie nach Mount Dare- über Finke und da wir spät dran sind übernachten wir  auf dem Weg nach Chambers Pillar. Die Strasse wurde unterwegs kurz über 30° Winkel steil. Wir entschieden uns noch mit dem letzten Abendlicht zu kochen, und die wunderbare Felslandschaft des Chamber Pillar am nächsten Morgen gemütlich nur mit dem Auto zu besuchen, was eine sehr weise Entscheidung war.
Zum Glück war der Rückweg kein Problem, unser Toyota Prado 4x4 Landcruiser meisterte dies Hürde problemlos. Am 24.6. kamen wir dann in Alice Spring an. Dort bereiften wir alle 4 Räder neu, dies und jenes musste neu geschraubt und gewartet werden. Nach dieser tagelangen Schütteltour, löst sich  auch bei einem Trailer da und dort einiges. Wiedermal gemütlich sein, ausschlafen, waschen, Text schreiben, Fotos strählen…..uf bärndütsch gseit, eifach chli hüsele.
Am 28.6. fahren wir dann relativ zackig gegen Norden, eines der Wunschziele ist der Kakadu Nationalpark. Das Schöne ist, es wird jeden Tag wärmer, wir fahren buchstäblich vom Winter in den Wintersommer.