Das Königreich Tonga

Malo e lelei

5040 Schuluniform BoysDas Einklarieren in der im Südpazifik gelegenen Inselgruppe Ha’apai, Tonga wählten wir anhand von Informationen, die uns letztes Jahr SY Sula zukommen liess. Die schlichte und herzliche Prozedere können wir nur bestätigen.
Nachdem wir kurz vor Mittag im offiziellen Büro an Land vorsprachen, war klar dass die Offiziellen erst nach dem Mittagessen zu uns aufs Boot kommen werden. So hatten wir genügend Zeit um Tonga Dollar in der nahe gelegenen Cash Maschine rauszulassen und bei Magda ein wirkliche feines Mittagessen zu geniessen.
Pünktlich um 13.30h meldete sich der Custom auf Kanal 16 VHF. Lionel holte sie an der Mole mit dem Dinghy ab. Das Einsteigen war für die eher fülligen bis übergewichtigen Tongaer nicht gerade einfach, dort auf unser Boot umzusteigen war schon fast kriminell. Die Tongaer essen gerne, viel und vor allem traditionell sehr kalorienreich (Yams und Kokosöl). Obwohl dicke Menschen auf Tonga immer noch als schön gelten und das Gesunde verkörpern, führte der Staat ein Programm zur Ernährungsberatung ein und animierte  die Bevölkerung zu mehr Sport. Dem 1918 geborenen König selbst gelang es in den frühen 1990er Jahren, sein Gewicht um 70 Kilogramm von vormals ca. 210 Kilogramm zu reduzieren.
Einklarieren ging schnell. Das Einzige was uns verblüffte,  war die Reaktion der  Immigration auf unsere Aussage, dass wir ca. 1000 US$ Cash an Bord hätten. Dies sei sehr viel Geld und wir könnten in den Verdacht kommen,  dass wir Drogen verkauft hätten. Unsere Argumente, dass 330 $ pro Person nicht viel Geld seien wurde nicht wirklich gehört. Dass er uns trotzdem vertraute, war sicher auch, dass Crew wie Schiff einen Tadellosen Eindruck hinterliessen. Es hat sich schon oft bewährt, sich und das Schiff aufgeräumt und geputzt zu präsentieren. Im Notfall noch ein paar frisch gebackene Guezis auf den Tisch und jeder noch so kritische Beamte fühlt sich sofort wie zu Hause.
Am Land begegneten uns im Verlauf des Nachmittags einige Tongaer in ihrer typischen Bekleidung.   Je nach Alter und Gesellschaftsposition wird  ein breiterer oder schmälerer Gurt um den knielangen Rock getragen. Es wir auf eine eher züchtige und korrekte Bekleidung Wert gelegt.


5041 Sea Change ResortWährend dem wir am Nachmittag auf dem lokalen Markt unser Gemüse aufstockten, die bewährte lokale SIM Karte mit Internet kauften, vernetzte uns Magda mit dem Ecolodge Team von Uoleava. Dies hatte zur Folge, dass  wir kurzfristig 3 freie Walschnorchelplätze auf den scheinbar gut ausgebuchten Touren erhielten, doppelt wichtig da Lionel in ein paar Tagen seine Rückreise in die Schweiz antreten musste.  
5043 WalfischeDie Wale zu sichten musste jedoch zuerst verdient werden. Wir liefen relativ früh morgens aus und verbrachten den ganzen Tag auf dem Meer und suchten Stunde um Stunde den Horizont  nach einem grossen oder kleinem einstrahligen, buschigen Blas ab. Sobald diese gesichtet wurden, fuhr das Boot in die Nähe und wir geleiteten in aller Ruhe ins Wasser.  Trotzdem wir in unseren 3mm Neoprenanzüge gut eingepackt waren, frischte am Nachmittag der von der Antarktis kommende Südwind  auf und liess den Einen oder Anderen das bisschen vorhandene Windschattenwärme aufsuchen.


In Tonga ist es per Gesetz verboten,  mit den Walen ohne professionellen  Guide zu schwimmen.  Die zwischen 12 bis 15m langen Buckelwale bekannt aufgrund ihres Walgesangs und ihrer Lebhaftigkeit, kommen nach Tonga hoch um zu kalben. Das Gewicht eines ausgewachsenen Wales liegt bei 25-30 Tonnen.  Hier bleiben sie einige Wochen bis das ca. 4m lange frisch geborene Kalb gross und stark genug ist um wieder in ihre Sommerquartiere zurück zu kehren. Nachdem wir erfolgreich die Walmütter mit ihren Kälbern und zum Teil sogar mit Eskorte mit respektvollem Abstand bewunderten, kehrten wir zufrieden aber müde auf unsere Kalea zurück. Ein unvergessliches und sehr zu empfehlendes Erlebnis.


504495 Lionel am Chillen5045 Barbeque LionelAm nächsten Tag nahmen wir den Anker hoch, segelten gegen Süden zur kleinen Insel Tofanga runter und genossen die Einsamkeit. Die Hängematte wurde aufgehängt, geschnorchelt und Lionel entpuppte sich als begeisterter Naturbursche. Während dem Iris und Martin das Vorsegel von Hand flickten, sammelte er Holz, schuf einen idyllischen Barbeque Platz und liess kurz vor Sonnenuntergang per VHF hören, dass wir nun an Land kommen können um zu grillen.
Idylle pur, bis sich diese schlagartig in einen knochentiefen Schrecken umwandelte: Unser Dinghy war davon gedriftet. Es war weg. Trotzdem wir sehr schnell reagierten, war es bereits zu spät. Bei stockdunkler Nacht schwamm Martin raus aufs Schiff, dann folgte Iris, die ein wenig später Lionel mit dem Kajak und SUP an Land mit allen Grilladen an Bord holte. Die Gemüter waren schwer und traurig, unser wunderbares AB Dinghy war weg.
Ein Schiff auf der benachbarten Insel reagierte auf unseren Funkspruch und half aktiv suchen. Nix. Es war bereits zu weit weg. Da es nicht zu empfehlen war, noch während der Nacht in dieser korallenreichen Gegend die Suche mit Kalea fortzusetzen, begaben wir uns alle mit schwerem Herzen schlafen.  Am morgen früh paddelte Iris mit dem Kajak rüber zu den Lagunen um auszuschliessen dass es eventuell nur um die Ecke gedriftet war.  Denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Dann liefen wir aus und suchten im Umkreis von 20 sm mit Feldstecher den Horizont ab. Immer wieder verboten wir einander, wer wem oder sich selber,  nur Ansatzweise Vorwürfe zu machen. Das Dinghy war weg, Tatsache, schlucken, das Leben geht weiter und wie man so schön sagt, viel besser als ein Beinbruch.
Vor Ort halfen uns  diverse Segler die schlechte Nachricht zu streuen und die lokale Polizei gab es im Radio durch.

5046 KaoEin paar Tage später flog Lionel  nach Tongatapu und von dort über Fiji, Los Angeles,Paris nach Genf. Es waren 5 herrliche gemeinsame Wochen in denen wir ca. 1200 Seemeilen gemeinsam segelten. Das einzig schöne am Abschied war, dass wir uns auf ein Wiedersehen freuen können.
Ein paar Tage später klarierten wir mit Hilfe von Andrew Eye Candy in Ha’apai aus, nahmen den Anker hoch und segelten nach Fiji um so bald wie möglich ein neues Dinghy zu kaufen.